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Webmaster Tom,
6 Februar 2010
United Kingdom
, Newcastle upon Tyne
6°
Etwas sehr Schönes entdeckt ...
Herzliche Grüße aus Newcastle
Ich hoffe es geht euch allen gut und ihr seid den Schnee bald los und der Frühling hält Einzug!
Die vergangenen Tage waren aufregend und voll mit neuen Eindrücken, Erfahrungen und Begegnungen.
Am Montag traf Maria, eine Kommilitonin aus Rostock, in Newcastle ein. Wir trafen uns am Dienstag, um gemeinsam Mittag essen zu gehen. Sie fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, sie beim anschließenden Treffen mit Frau Lähnemann (Mitarbeiterin in der School of Modern Languages) und Franziska (DAAD-Mitarbeiterin) zu begleiten. Ich ging mit ihr. Bei unserem Gespräch wies Maria mich darauf hin, dass es mit dem einen Modul, was ich gerade belege, möglicherweise nicht ausreichend sein könnte, um das ERASMUS-Stipendium zu erhalten. Da habe ich natürlich gleich die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und Frau Lähnemann gefragt, ob da noch freie Module seien. Sie konnte mir einen Übersetzungskurs anbieten und ein sehr interessantes Modul über das deutsche Kino in der Zeit bis 1945. So, da hatte ich dann noch die Anzahl an Kursen, die ich brauchte. Anschließend hatte ich eine Vorlesung, die ich schon am Morgen und jetzt den zweiten Teil am Nachmittag besuchte. Mr. Pincombe ist ein sehr lustiger Professor. Er sieht ein wenig so aus, wie das tapfere Schneiderlein oder wie der Chemielehrer in „Die Feuerzangenbowle“. Man sagt, er könne 15 Sprachen sprechen. Mindestens vier davon habe ich ihn schon sprechen hören während der Vorlesungen und des Workshops. Als ich am Morgen zur ersten Vorlesung ging, wusste er, wer ich bin obwohl ich mich noch nicht vorgestellt hatte. Er konnte das sicher daran ablesen, weil ich noch nicht wusste, wie diese Tür zum Hörsaal geöffnet wird. Er half mir dabei und fragte: „You are Tom Kraplin, right?“ Mit einem Handschlag hieß er mich dann herzlich willkommen. So aufmerksam und schrecklich nett; das habe ich in Deutschland noch nicht erlebt. Natürlich könnte es auch ironisch gemeint gewesen sein, weil er wusste, die Deutschen begrüßen sich für Gewöhnlich mit einem Handschlag. Sei es drum …
Am Dienstag bekam ich auch das Paket von zu Hause. Dankeschön! Nun kann ich mein Handy wieder aufladen und Spekulatius zum Kaffee essen. Schön, auch etwas von zu Hause hier zu haben.
Am Mittwoch waren wieder alle ERASMUS-Studenten eingeladen worden, feiern zu gehen. Natürlich, das mache ich doch gerne! Wir gingen in einen uralten Pub namens „Charles Grey“ (http://www.pubsnewcastle.co.uk/TheCharlesGrey.html), der direkt am Charles-Grey-Monument gelegen ist. Charles Grey war übrigens ein Earl und Prime Minister aus dem 18. und 19. Jahrhundert unter der Regentschaft von König William IV. Vor allem wurde er dadurch bekannt, dass er in der Regierung standhaft und stark in der Opposition blieb und sich zum Beispiel für das Recht Frankreichs einsetzte, sich – nach der Rückkehr Napoleons von Elba – eine eigene Verfassung zu schaffen ohne die Einmischung des Königreiches. Er wurde in Northumberland geboren, einer Grafschaft nördlich der Grafschaft Tyne and Wear, zu der Newcastle upon Tyne gehört. Nach ihm wurde auch der berühmte Earl-Grey-Tee benannt.
Danach ging es dann in den „Tup Tup Palace“ (http://www.tuptuppalace.com/tokyo.php) und wir haben alle noch kräftig das Tanzbein geschwungen. Leider musste ich schon etwas früh los, weil ich donnerstags ein Workshop besuche. So war ich dann bereits um halb drei im Bett. Checkliste für neu kennengelernte Leute: 1 Norweger, 2 Niederländer, 1 Türken (nicht aus Dtl.), 2 Österreicher, 1 Engländerin, 3 Franzosen.
Nach dem Workshop am Donnerstag half ich noch bei der „North East Challenge“ mit. Dies ist eine Veranstaltung, bei der junge Leute dazu animiert werden, wieder Sprachen zu lernen oder sogar zu studieren. Es herrscht in England akuter Mangel an Dolmetschern. Nicht zuletzt auch deswegen, weil es an englischen Schulen keine Pflicht mehr ist, eine Fremdsprache zu lernen. Die School of Modern Languages hier an der Newcastle University setzt sich dafür ein, Sprachen wieder interessant zu machen. Beim Gespräch mit Frau Lähnemann hatte ich mich bereiterklärt, jegliche Arbeiten, die unterstützend seien könnten, als „native speaker“ (Muttersprachler) freiwillig mit zu unterstützen. Ich finde die Sache nämlich richtig gut. Sprachen sind wichtig! So habe ich jetzt auch noch zwei Anfragen bekommen, in Seminaren der Universität mitzuhelfen. Na klar, das mache ich doch. Bin froh noch
Nebenbeschäftigungen zu haben!
Am Donnerstag sind Maria und ich zu „Organge“ gegangen, um uns eine SIM-Karte für unsere Handys zu besorgen. Mit denen kann man dann billig hier in England telefonieren. Meine Nummer ist (0044)- 797-638-6514.
Gestern besuchte ich dann den Übersetzungskurs zusammen mit Maria. Wir hatten viel Spaß beim gemeinsamen Übersetzten. Es war sehr lustig und gut zu wissen, dass man viel Gutes tun kann, auch wenn es nur einige kleine Hinweise sind, wie zum Beispiel bei der Deklination von Präpositionen im Deutschen.
Unter der Woche habe ich dann noch was sehr Merkwürdiges gesehen. An der Ampel hatte ein Vater sein kleines Kind von vielleicht 2 Jahren an einer Leine geführt. Sicherlich dafür, um es davor zu schützen, nicht zu schnell vor ihm weglaufen zu können. Ist ja auch eine viel befahrene Stadt. Erst aber dachte ich, dass Kind hätte irgendeine Gehstörung und musste deswegen beim Gehen unterstützt werden. Sah aus, als führte er seinen Hund aus. Bloß, dass dieser Hund sein Kind war.
Vor einigen Tagen habe ich mich dann im Internet auf die Suche gemacht ein Antiquariat ausfündig zu machen, um mal wieder den Duft alter Bücher schnuppern zu dürfen. Ich nahm mir vor, zwei Buchläden zu besuchen. Letztlich blieb es dann doch nur bei einem, denn ich hatte dabei etwas sehr Schönes entdeckt. Der Buchladen befand sich in der Straße Grainger Market 49. Ich hatte zwar schon einmal was vom Grainger Market gehört, stellte mir darunter aber auch wieder so etwas wie eine Shoppingmeile oder einen normalen Supermarkt vor. Das, was ich dann aber vorfand war herrlich. Vorstellen muss man sich das Ganze als einen Markt, der überdacht ist. Angefangen bei frischem Fisch, Obst, Fleisch aus eigener Schlachtung bis hin zum Shanghai-Laden war alles das dort vorhanden, was man zum Leben braucht. Und alles das zu sehr, sehr günstigen Preisen! Ich habe mir gleich vier große Orangen für £1 gekauft. Der Buchladen war nicht so sehr berauschend, wie es die übrigen urtümlichen Läden waren. Dort gab es hauptsächlich Taschenbücher mit enthaltenen Liebesgeschichten sowie eine Regal voll mit Charles Dickens und William Shakespeares Werken. Ich suchte aber vor allem gebundene Bücher. Fehlanzeige. Da muss ich mich noch einmal spezieller informieren.
Ganz kurios fand ich auch die Tatsache, dass es im Grainger Market ein „Weigh House“ gibt. Erst habe ich gedacht, ich hätte mich verlesen. „Weigh“ heißt wiegen. Man könnte denken, dass dort Waren oder so abgewogen werden. Aber nein! Dort kann man reingehen, sich für 20 Pence auf eine riesige Waage stellen und von einer Dame angesagt bekommen, wie viel man wiegt. Personenwiegen als Einnahmequelle. Ich musste echt lachen, als ich das gesehen habe.
Ein weiterer Laden, der mich begeisterte, war ein Geschäft, das den Verkauf von Nüssen, Mandeln, Mehl etc. anbot. Doch war dort nicht alles bereits abgewogen und verpackt. Man kann sich zum Beispiel sein eigenes Müsli zusammenstellen oder so viel verschiedene Nüsse und Mandeln kaufen, wie einem nur lieb ist.
Eines steht fest: Im Grainger Market war ich nicht zum letzten Mal.
Morgen fahren wir an die Strand um einmal die Nordsee zu besuchen. Susi aus Norwegen, Bergen und ein Nordkoreaner sowie Richard (USA, Massetusets) und Brittney (USA, Virginia) kommen mit. Werden bestimmt noch mehr.
Heute wurde ich dann zur nächsten Party hier im Haus eingeladen.
Tom
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